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Deutsche verschenken am liebsten Blumen

17. November 2010

 

WELT ONLINE, 17.11.2010

Über 100 Euro geben die Deutschen pro Kopf jährlich für Pflanzen und Blumen aus. Und sie verschenken sie am liebsten, häufiger noch als Bücher und Kosmetikartikel. Daher hat die Branche auch nicht unter der Krise gelitten. Bei der Auswahl der Gewächse jedoch erweisen sie sich als Traditionalisten.

Orchideen sind die meist gekauften Topfpflanzen in Deutschland orchi_DW_Wirtschaf_1004639p Foto: dpa

 

Bellavallia heißt die neue Hoffnung der hessischen Firma Hassinger. Jahrelang hat der Mittelständler experimentiert, nun endlich stimmen Farbenpracht und Blütezeit der neuen Orchideen-Züchtung. Das zumindest meinen die Firmenchefs. Und nicht nur die. Auf der weltgrößten Pflanzenmesse IPM in Essen hat Hassinger prompt den Titel „IPM-Neuheit 2010“ für die „attraktivste blühende Zimmerpflanze“ gewonnen. Nun stehen die Chancen nicht schlecht, dass Bellavallia künftig zu den Verkaufsschlagern in Deutschlands Blumenläden gehört.

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Fotos: Orchid Talk 

Bellavallia

Eine neue Orchideenzüchtung, die ihren Ursprung in den Gebirgsregionen Mittel- und Südamerikas hat und sich den Bedürfnissen heimischer Blumenfenster anpassen soll.

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Wenn es um Pflanzen geht, sind die Bundesbürger Traditionalisten. Schon seit Jahren liegen in den Hitlisten der beliebtesten Blumen die gleichen Gewächse vorne: Rosen bei den Schnittblumen, Efeu bei den Grünpflanzen, Geranien für Beet und Balkon und eben Orchideen als Topfpflanze fürs Fensterbrett.

Auf über 30  Prozent schätzen Branchenexperten den Marktanteil der Orchidee in ihrem Segment, also bei den blühenden Zimmerpflanzen. Alpenveilchen und Weihnachtssterne als nächst beliebte Alternativen werden nicht mal halb so oft gekauft.

Diese eindeutigen Vorlieben lassen sich die Bundesbürger etwas kosten. Während die Pflanzenpreise insgesamt nach Angaben des Zentralverbands Gartenbau (ZVG) im vergangenen Jahr zum Teil deutlich gesunken sind, blieben die Kosten für die Bestseller vergleichsweise konstant. „An den Blumen haben die deutschen Verbraucher in der Wirtschaftskrise nicht gespart“, berichtet daher ZVG-Präsident Heinz Herker.

Rund 104 Euro gaben die heimischen Blumenliebhaber 2009 pro Kopf für Zimmer- und Gartenpflanzen aus, meldet die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP). Nur in Norwegen liegen die Durchschnittsausgaben höher. Der Umsatz der heimischen Floristen und Baumschulen summierte sich wie schon im Vorjahr auf rund 8,5 Milliarden Euro, meldet der ZVG. Damit ist Deutschland der mit Abstand größte Blumenmarkt in Europa

Und das ist für die Marktforscher der GfK-Group kaum verwunderlich. Denn deren Untersuchungen zufolge sind Blumen hierzulande das Geschenk Nummer eins, noch vor Büchern und gefolgt von Unterhaltungselektronik und Parfum/Kosmetik.

Im laufenden Jahr nun soll das hohe Niveau gehalten werden. Während sich etliche Märkte in Europa schwer tun, so zum Beispiel Großbritannien, Russland und die meisten anderen osteuropäischen Länder, rechnet Herker für Deutschland mit einem mindestens vergleichbar guten Ergebnis wie zuletzt. Dafür könnte schon allein der harte Winter sorgen. Zwar läuft der Blumenverkauf derzeit äußerst schleppend. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass harten Wintern regelmäßig ein absatzstarker Frühling folgt. „Die Sehnsucht nach Blüten ist dann besonders groß“, begründet der Verbandschef. Zudem gehen in langen Frostperioden deutlich mehr Balkon- und Terrassenpflanzen ein, die dann ausgetauscht werden müssen.

Nachschub kommt überwiegend aus dem Ausland. Die klassische Exportnation Deutschland gilt sogar als einer der weltweit größten Importeure von Blumen. Bei Zimmerpflanzen zum Beispiel stammen zwei von drei Exemplaren von jenseits der Grenze. Bei Schnittblumen liegt die Einfuhrquote sogar bei über 80 Prozent. Wichtigstes Lieferland ist hier die Niederlande vor Italien, Kenia und Ecuador. Lediglich bei Gartenpflanzen, Stauden und Gehölzen erreicht Deutschland einen hohen Selbstversorgungsgrad, 2009 waren es 75 Prozent.

Zu kaufen gibt es Blumen derzeit in rund 12.000 Fachgeschäften sowie als Bundware auch in Discountern und Supermärkten, Tankstellen und Baumärkten sowie bei Straßenhändlern und auf Wochenmärkten. Dort ist die Pflanzenpracht zwar vielfach billiger als beim Floristen um die Ecke. Trotzdem vertrauen die Deutschen überwiegend dem Fachhändler. ZVG-Präsident Herker zufolge stagniert der Marktanteil der branchenfremden Anbieter schon seit Jahren bei gerade mal 25 bis 28 Prozent.

„Die große Sorge vor den Discountern war unbegründet“, bilanziert Helmuth Prinz, der Präsident vom Fachverband Deutscher Floristen. Allerdings gibt es innerhalb der mittelständisch organisierten Branche mittlerweile einen Strukturwandel: „Zum einen sinkt die Zahl der Unternehmen, zum anderen steigt die durchschnittliche Betriebsgröße.“

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