Charles Blog

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Röllke – Orchideenzucht

13. Juni 2010

Liebe Orchideenfreunde,

in den kommenden Wochen werden wir euch interessante Orchideen Zuchtbetriebe vorstellen. Diese haben mit ihren Zuchterfolgen maßgeblich dazu beigetragen, dass Orchideen heute die beliebteste Zimmerpflanze in Deutschland geworden ist.

Heute stellen wir vor:

Röllke – Orchideenzucht

Versteckt zwischen Wiesen und Äckern liegt ein wahres Orchideen-Paradies: Phalaenopsis-Hybriden in allen Farben und Größen und seltene Orchideen-Arten, die erst auf den zweiten Blick auffallen; daneben ein Wandregal mit etlichen Pokalen und Medaillen. Auf 4000 m2 drängen sich Orchideen in allen Wachstumsstadien und Größen – auf Pflanztischen, an den Wänden der Gewächshäuser und von deren Decken hängend. Dazu das Herzstück: ein hochmodernes, blitzsauberes Aussaatlabor. image
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Phalaenopsis-Hybriden in Pink-Weiß

Das hätte man nach dem ersten Eindruck nicht erwartet: Auf halbem Wege vom ost-westfälischen Bielefeld nach Paderborn, kurz hinter der Ortsausfahrt von Schloss Holte-Stukenbrock, geht es rechts in den Flößweg. Hier soll einer der bedeutendsten Orchideen-Züchter Deutschlands seinen Sitz haben? Da gerät linker Hand eine Ansammlung von Gebäuden ins Blickfeld – darunter vier imposante Gewächshäuser. Der Weg ist also richtig, wie das Schild „Röllke Orchideenzucht – Ausstellung, Verkauf, Service“ neben dem Haupteingang beweist. Doch auch der Eingangsbereich macht im ersten Moment eher wenig Eindruck und lässt nicht vermuten, dass hier die Königinnen der Zimmerpflanzen heranwachsen und sowohl deutschland- als auch europaweit ihre Abnehmer finden.
Eine Vielfalt an Pokalen und Auszeichnungen zeugt von 20 Jahren Orchideenzucht.



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Experte durch und durch

Dazu passt auch der erste Eindruck von Lutz Röllke, 49 Jahre alt, dreifacher Vater und bereits Großvater: Holzfällerhemd, graumelierter Bart und selbst gedrehte Zigaretten – ein Gärtner bei der Arbeit eben. Bereits die ersten, mit dem Chef und Firmengründer gewechselten Worte offenbaren jedoch, dass es sich hier um eine Gärtnerei besonderer Art handelt. Hier hat sich jemand bewusst für die Orchideen entschieden und weiß genau, wovon er spricht. Jede Nachfrage führt zu einer ausführlichen, sachkundigen Erklärung oder einer spannenden Anekdote.

Lutz Röllke hat sich mit Herz und Verstand ganz den Orchideen verschrieben.
Dieses Wissen ist in mehr als 20 Jahren gereift. Bereits Anfang der 80er Jahre baute sich Röllke sein erstes eigenes Gewächshaus, machte seinen Gartenbau-Meister, baute das zweite Gewächshaus.

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Dann trat sein jüngerer Bruder Frank Röllke der Firma bei. 1990 ergriffen die Brüder die Gelegenheit, die Räume einer großen Gärtnerei in Schloss Holte-Stukenbrock zu übernehmen. Dort tummeln sich heute über 100.000 Pflanzen. Allein ein überschaubar großer Wagen mit Pflanzen seines Beinahe-Schwiegersohnes – Orchideen-Züchter aus Ecuador – enthält eine fast unüberschaubare Anzahl von über 700 Arten ecuadorianischer Orchideen.
Über 700 Orchideen-Arten aus Ecuador verstecken sich auf diesem Bild image
Arterhaltung statt Massenproduktion

Die Röllkes haben sich auf seltene Orchideen spezialisiert, produzieren bewusst keine Massenware. „Wir empfinden uns als Naturschützer, leisten einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung. Aber natürlich lässt sich mit solchen Pflanzen auch Geld verdienen“, meint Röllke.

Das wird seit dem Ende der 80er Jahre jedoch immer schwieriger.

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Damals wurde die Massenvermehrung über Gewebekulturen entwickelt, wodurch große Mengen gleichartiger Pflanzen zu niedrigen Preisen auf den Markt geschwemmt wurden, zum Beispiel aus Thailand. „Das Problem dieser in Baumärkten und Discountern zu findenden Orchideen ist, dass sie in ihrem Ursprungsland ganz andere Wachstumsbedingungen haben, als sie schließlich in einem deutschen Wohnzimmer vorfinden“, erklärt Röllke. „Folglich müssen sich die Pflanzen komplett umstellen. Haben sie ihre ersten Blüten verloren, kann es drei bis fünf Jahre dauern, bis sie erneut blühen.“

Harte Schule für die Fensterbank

Das passiert mit Orchideen aus Röllkes Zucht nicht. Hier wird ganz bewusst eine „harte Produktion“ gefahren. Das heißt, die Orchideen wachsen bei 22 bis 24 °C und erfahren bezüglich der Temperatur auch nur eine Nachtabsenkung von ca. 4 °C – gerade so eben, wie es später auch auf der Fensterbank ihres neuen Zuhauses sein wird. Auch auf spezielles Kunstlicht an kurzen Wintertagen wird verzichtet. Lutz Röllke erklärt warum: „Wenn ich Kunstlicht gebe, weiß die Orchidee nicht, was sie machen soll: Soll ich mich auf das Winterlicht einstellen oder auf die Lampe?“ Schließlich stellt sie sich auf das stärkste Licht – also das Kunstlicht ein. Wird dieses im Frühjahr ausgeschaltet, muss sich die Pflanze erneut umstellen.
Viel wichtiger ist die optimale Wasserversorgung. Während im Sommer auch Sprühanlagen zum Einsatz kommen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen, ist das Sprühen im Herbst und Winter Handarbeit. Außer der im Betrieb arbeitenden Familie, zu der auch die beiden Röllke-Ehefrauen gehören, teilen sich je zwei feste Angestellte und fünf Teilzeitkräfte diese wichtige Aufgabe.

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„Das Sprühen der Orchideen ist wirklich sehr speziell und bedarf genauer Kenntnisse“, bestätigt Conny Röllke. Sie ist Lutz Röllkes bessere Hälfte und über ihren Ehemann seit Jahren fest an die Orchideen gebunden. So ist sie auch an diesem Samstag mit der Brause in den Gewächshäusern unterwegs.
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Conny Röllke weiß genau, welche Pflanzen wie viel Wasser brauchen.

Da bleibt wenig Zeit für Urlaub und Freizeit. Gereist wird trotzdem, wenn auch ganz im Zeichen der Orchideen. Tausende von Kilometern reisen die Röllkes Jahr für Jahr quer durch Deutschland und die EU von einer Orchideen-Schau oder -Messe zur nächsten. Aachen, Budapest, Dresden, London, Padua, Glasgow, Valencia – das ist nur eine kleine Auswahl an Städten, die 2009 auf dem Programm stehen. Diese Reisen sichern und erschließen wichtige Absatzwege. Daran ändert auch die immer größere Bedeutung des Internets nichts.

Auf der Schwelle zum Aussaatlabors

Das Herzstück der Orchideenzucht ist das Aussaatlabor. „Hier ist alles mega-steril“, betont Röllke. „Mittels spezieller Filter wird die Luft so gereinigt, dass sie 100 Prozent keimfrei ist.“ Deswegen endet der Rundgang auf der Türschwelle. Die Keime unter den Schuhen wären Gift für die Jungpflanzen, die hier unter besonderen Bedingungen über einen langen Zeitraum heranwachsen: Allein neun Monate dauert die Reife der Samen in der Kapsel. Danach keimen die Pflanzen drei bis zwölf Monate im Labor. Weitere 24 bis 48 Monate wachsen sie in speziellen Flaschen heran. Insgesamt dauert es bis zur ersten Blüte mindestens vier, im Schnitt sechs bis sieben Jahre. Bei langsam wachsenden Arten können sogar 9 bis 12 Jahre vergehen, bis sich die ersten Blüten bilden.

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In diesen sterilen Gefäßen wachsen die Orchideen-Kinder über mehrere Jahre heran
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Lieblingsstücke

Viele Spezialitäten wachsen in dieser Zucht heran. Sie stammen zum Teil von Mutterpflanzen, zu denen Lutz Röllke eine besondere Beziehung hat. Zu diesen Schätzen gehört zum Beispiel eine ältere Dame namens Paphiopedilum Paphiopedilum Maudiae Typ vinicolor. Ca. 18 Jahre alt ist diese „Königin der Orchideen“, die einen Wert von 500 Euro haben dürfte. Nicht alles, was schön und besonders ist, hat jedoch solch einen stolzen Preis. Manche Arten entfalten ihren Reiz erst bei genauerer Betrachtung.
Diese Paphiopedilum vinicolor, auch Venusschuh genannt, ist ca. 18 Jahre alt. image
image Cirrhopetalum Makoyanum ist eine von Lutz Röllkes Favoriten
Diese Degarmoara ist eine eigene Züchtung aus dem Hause Röllke image
image Phalaenopsis Mini Mark – eine Miniatur Phalaenopsis
Weiße Phalaenopsis – bis zu 15 cm messen die Blüten dieser alten Schnittblumensorte. image
image Dendrobium Nobile Hybriden

Interesse und Begeisterung wecken

Grundsätzlich würde sich Lutz Röllke wünschen, dass die Menschen wieder mehr Interesse für die Besonderheiten der verschiedenen Orchideen-Arten zeigten und auch für die wichtigsten Pflegeregeln. Gerne berät er seine Kunden bei allen Wünschen und Fragen, vorausgesetzt, sie sind an dieser Beratung überhaupt interessiert. Das sei leider nicht immer der Fall. „Im Frühjahr und Herbst machen wir spezielle Umpflanztage. Dann dürfen die Leute ihre Pflanzen bringen und unsere Orchideen-Gruppe ist hier. Sie bietet Beratung und Hilfe an. Dann zeigt sich, wie viele minderwertige Pflanzen auf dem Markt sind und welche Fehler gemacht werden.“ Ein Beispiel sei das Substrat, das oft aus Baumärkten stamme. Nach drei Monaten in fest verschlossener Plastiktüte sei es oftmals regelrecht vergammelt. Dabei sei es heutzutage so einfach, sich zu informieren, beispielsweise auch über das Internet.

Natürlich nutzen auch die Röllkes diese neuen Wege der Kommunikation und Vermarktung. Gleichzeitig ist ihnen der direkte, persönliche Kontakt zu ihren Kunden sehr wichtig. Dazu gehören auch Führungen und Veranstaltungen für Gruppen vor Ort. „Wenn die Menschen hier bei uns sehen, was für einzigartige Pflanzen sie vor sich haben, entwickeln sie eine ganz andere Beziehung zu den Orchideen“, meint Röllke. Und diese Beziehung beruht bei richtiger Pflege auf Gegenseitigkeit – über lange Jahre hinweg.

www.roellke-orchideen.de

Herzlichst, euer Charles

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