Trauermückenbefall: Granulat und Orchideensubstrat im Test
14. September 2011
Ergebnisse von Versuchen mit und ohne Pflanzen. Von Prof. Dr. Walter Wohanka
Trauermücken können vor allem bei der Jungpflanzenanzucht zu erheblichen Schäden führen. Vom Endkunden werden vor allem die erwachsenen Tiere als lästig empfunden und teilweise auch für Schäden verantwortlich gemacht, die meist durch Übernässung entstehen. Im Auftrag der Firma Mars GmbH sollte geprüft werden, ob durch Verwendung von Seramis-Granulat als Topfsubstrat oder zur Abdeckung der Befall beziehungsweise die Entwicklung von Trauermücken reduziert oder gar verhindert werden können.
| Versuchsaufbau für die Wahlversuche |
Käfigversuche ohne Pflanzen:
Aufbau und Ergebnisse Versuchsaufbau: Zunächst wurden die Testsubstrate ohne Bepflanzung auf ihre Attraktivität für Trauermücken getestet. Dabei wurden einmal Seramis-Granulat mit einem professionellen Torfkultursubstrat und zum anderen Seramis-Orchideensubstrat mit einer handelsüblichen Orchideenerde eines Markenherstellers für den Hobbymarkt (Pinienrinde, Torf, Styromull) verglichen. Je Experiment wurden vier Plastikboxen (je 1.000 Milliliter) mit jeweils 400 Milliliter Testsubstrat befüllt. Nach dem Befeuchten der Substrate wurde auf der Oberfläche eine geringe Menge Spezialfutter (Gras/Bierhefe-Mischung) für Trauermücken ausgebracht. Die Plastikboxen wurden in einem Plexiglaskäfig eingesetzt und anschließend zweimal 200 erwachsene Trauermücken freigelassen. Eine Woche später wurden die Boxen jeweils mit einem gelben Leimsticker versehen und verschlossen. Der Besatz der Leimsticker wurde regelmäßig überprüft und vier Wochen nach der Freilassung erfolgte die Endauswertung. Der Käfig stand in einer Gewächshauskabine unter natürlichen Lichtbedingungen, die Heiztemperaturen betrugen 22/18 Grad Celsius (T/N) und die Lüftung öffnete sich ab 24/20 Grad Celsius.
| Freilassung der Trauermücken mit “Verseuchungsboxen” im Pflanzenbestand |
Ergebnisse:
Bei gleichzeitigem Angebot von Seramis-Granulat und dem Torfkultursubstrat war lediglich beim Torfsubstrat eine schwache Trauermückenentwicklung (4,4 Trauermücken je Box) zu beobachten (siehe Grafik 1). In den Boxen mit Seramis-Granulat fand keine Entwicklung statt. Attraktiver und als Lebensraum offensichtlich besser geeignet waren die Orchideensubstrate. Aller dings war die Entwicklung im SeramisOrchideensubstrat mit durchschnittlich 8,3 Trauermücken je Box signifikant geringer als im Vergleichssubstrat mit 18,5 Trauermücken je Box.
Gewächshausversuche:
Aufbau und Ergebnisse Entsprechend der Versuchsglieder wurden die Blattpflanzen (Aglaonema commutatum ‘Maria Christin’ 12/13-Zentimeter-Topf) in größere Kunststofftöpfe umgetopft (Hermann Meyer MC 2,0 Liter Durchmesser 16,7 mal 13,2 Zentimeter). Vorher wurde das lose Substrat entfernt, die Wurzeln jedoch nicht ausgewaschen.
Beschreibung der Versuchsglieder:
■ professionelles Torfkultursubstrat ohne Seramis,
■ professionelles Torfkultursubstrat mit zwei Zentimeter Seramis Abdeckung,
■ Seramis mit ein Zentimeter Seramis Abdeckung,
■ Seramis mit zwei Zentimeter Seramis Abdeckung.
Es gab vier Wiederholungen und vier Pflanzen je Wiederholung. Die Dicke der Abdeckung wurde von der Oberkante des alten Topfballens gemessen.
Die umgetopften Pflanzen wurden am 23 Januar 2009, entsprechend der vier Wiederholungen auf vier fahrbaren Gewächshaustischen (ein mal 1,5 Meter) ausgestellt. Am selben Tag erfolgte eine erste Freilassung von Trauermücken durch das Ausstellen von intensiv besiedelten „Verseuchungsboxen”. Eine weitere Verseuchung erfolgte am 2. Februar 2009.
Die Heizung wurde auf T/N = 20/18 Grad Celsius eingestellt und die Lüftungsklappen öffneten ab 22 Grad Celsius. Die Bewässerung erfolgte von Hand bei Saugspannungen von etwa minus 60 mbar für das Torfsubstrat und von etwa minus 40 mbar für das Seramis-Granulat. Wöchentlich wurden die Pflanzen mit einer 0,1-prozentigen Nährlösung (Ferty MEGA3) gedüngt. Die Luftfeuchte wurde mittels Fog-System auf etwa 75 Prozent reguliert. Bei einer Lichtintensität von mehr als 60 Kilolux (klx) wurde automatisch schattiert.
Am 12. März 2009 wurden alle Pflanzen mit einem gelben Leimsticker versehen und einzeln in Netzbeutel (Filibo, PA, 18 Gramm je Quadratmeter, Maschenweite 0,5 Milligramm) gepackt. Am 7. April 2009 wurde schließlich die Anzahl erwachsener Trauermücken auf den Leimstickern ausgezählt.
Eingenetzte Pflanzen mit gelbem Leimsticker zum Nachweis von Trauermücken |
Ergebnisse:
Die höchste Besiedelungsrate von 41,6 pro Leimsticker konnte bei den Pflanzen festgestellt werden, die ausschließlich in das Torfkultursubstrat umgetopft wurden (Grafik 2). Eine Überschichtung dieses Substrates mit zwei Zentimeter Seramis-Granulat reduzierte die Befallzahl signifikant auf 25,2 Trauermücken je Pflanze. Den stärksten Effekt hatte jedoch das direkte Topfen in Seramis-Granulat, wobei es unerheblich war, ob die Deckschicht ein oder zwei Zentimeter dick ist. Allerdings blieben auch diese Pflanzen nicht völlig befallsfrei. Es konnten jeweils 4,6 beziehungsweise 7,3 Trauermücken je Leimsticker nachgewiesen werden. Bezogen auf das torfhaltige Substrat ohne Seramis-Granulat war somit eine Befallsreduktion um 40 Prozent (Torfsubstrat mit Seramis-Granulat) beziehungsweise 83 bis 89 Prozent (nur Seramis-Granulat) möglich.
Zusammenfassung der Ergebnisse
In einem Wahlversuch mit der Freilassung erwachsener Trauermücken wurde Seramis Granulat nicht besiedelt, während sich auf Torfkultursubstrat 4,3 Trauermücken je Testbox entwickelten. Ein Vergleich zwischen den Spezialsubstraten Seramis-Orchideensubstrat und der Orchideenerde auf Torf- und Rindenbasis zeigte, dass beide eine Trauermückenentwicklung ermöglichten. Während im Vergleichssubstrat 18,5 Trauermücken je Testbox gezählt wurden, waren es in Seramis-Orchideensubstrat nur 8,5, entsprechend etwa 45 Prozent.
In einem Gewächshausversuch mit Aglaonema commutatum ‘Maria Christin’ wurde die Entwicklung von Trauermücken drastisch reduziert, wenn die Pflanzen statt in ein Torfkultursubstrat in Seramis-Granulat getopft wurden. An Pflanzen mit ausschließlich torfhaltigem Substrat konnten im Durchschnitt 41,6 erwachsene Trauermücken nachgewiesen werden.
Das Abdecken mit zwei Zentimeter Seramis-Granulat reduzierte den Befall um rund 40 Prozent und das Topfen in reinem Seramis-Granulat sogar um 83 bis 89 Prozent.
Fotos: Prof. Dr. Walter Wohanka
Veröffentlicht:
Colonisation of Seramis® Standard and Seramis® Orchids by sciarids in comparison to other growing media (W. Wohanka, M. Sandmann), Geisenheim April 2009
TASPO Aktuell, 27. November 2009, Nr. 48



